Die Ravnos - Herumtreiber und Diebe - sind wie Blätter im Wind über ganz Europa verstreut. In jedem Land gibt es ein paar, aber wo man sie findet, das unterscheidet sich von Nacht zu Nacht und Laune zu Laune. Viele reisen mit umherziehenden Zigeunern oder anderen Unerwünschten. Es ist selten, dass man mehr als ein oder zwei am gleichen Ort zur selben Zeit findet, denn sie sind einzelgängerische Kainiten und bevorzugen als Gesellschaft Zuhörer und Ziele. Alle Ravnos sind Nomaden, ebenso aus der Notwendigkeit heraus wie aus eigenen
Vorlieben. Nirgends in den Städten der Kainiten sind Ravnos willkommen und selbst wenn sich einer niederzulassen versuchte, würde er vertrieben, sobald man ihn entdeckte. Der Ruf der Ravnos, was Tricks und Diebstahl angeht, eilt ihnen überall voraus und selbst die Clansmitglieder, die anfangs keinen Geschmack an Diebstahl fanden, finden sehr schnell heraus, dass sie von den Umständen und den Erwartungen anderer dazu gezwungen werden. Es gibt einen Grund dafür, warum die Ravnos so einen Ruf als Trickser haben - es liegt daran, dass viele von ihnen wirklich sehr gut darin sind. Trotz all seiner mythischen Gewitztheit müsste Reinecke Fuchs vielleicht feststellen, dass man ihm Pelz und Krallen abgeschwatzt hat, hätte er mit einem Ravnos zu tun, und die meisten Kainiten
und Menschen stellen sich nicht halb so geschickt an. Ravnos leben von ihrer Geistesschärfe und erproben und schärfen diese ständig an allen, denen sie begegnen. Hütchen-Spiele, komplizierte Diebstähle, Geschichten erzählen gegen Geld, der Verkauf "heiliger Reliquien" und ein dutzend anderer Künste, mit denen man Thoren von ihrem Hab und Gut trennen kann - all das sind Visitenkarten der Ravnos. Die meisten Ravnos werden professionelle Bewunderung für jeden Nicht-Ravnos zum Ausdruck bringen, der versucht, sich auf ihrem Arbeitsfeld zu ernähren und dann den Vorwitzigen bis aufs letzte Hemd ausziehen. Nichts schätzt ein Ravnos so sehr wie seine Freiheit. Kluge Kainiten versuchen nicht Ravnos von einem Ort ihrer Wahl fernzuhalten, sondern nur, sie von dort wieder zu verscheuchen sobald sie angelangt sind. Wenn sich erst einmal herumspricht, dass eine bestimmte Örtlichkeit für Ravnos verboten ist, werden sie dutzendweise auftauchen, um das Verbot auf die Probe zu stellen, bis es aufgehoben wird. Dann nehmen sie Rache, indem sie massiv in der ihnen nun offen stehenden Stadt auftauchen und sie mit allen Mitteln um alles erleichtern, was ihnen zusagt. Ein Ravnos-Befall ist nur insofern einer militärischen Eroberung vorzuziehen, als die Ravnos manchmal mehr von der Stadt stehen lassen.
Das einzige, was die Ravnos mehr schätzen als einen guten Trick (und ein Ravnos, dem ein außergewöhnlicher Diebstahl gelingt, wird in der Tat von seinen Clansmitgliedern hoch geachtet), ist ihre Ehre. Es ist jedoch Ravnos-Ehre, die anders definiert ist, als die der meisten anderen Kainiten. Ein Ravnos bricht nie sein Wort - vorausgesetzt, er hat in die Hand gespuckt und dann mit dieser Hand die des anderen geschüttelt. Ansonsten zählt der Eid einfach nicht, egal wie weit reichend er war und kann ohne weiteres gebrochen werden. Ein Ravnos wird bis ans andere Ende der Welt ziehen, um eine Schmähung seines „guten Namens" zu rächen, aber es obliegt dem einzelnen Ravnos, was eine Schmähung ist und was nicht. Schließlich wird ein Ravnos andere Ravnos oder jemanden, den er als Freund oder „Bruder" betrachtet nicht bestehlen oder betrügen. Der Rest der Welt ist jedoch zum Abschuss freigegeben.

Clansdisziplinen: Chimerstry, Fortitude, Animalism