Der eigentliche Zweck der Etikette ist die Erleichterung der Kommunikation und die Verhinderung von Missverständnissen: Sie gab denen, die sich keine feine Erziehung leisten konnten, Mittel in die Hand, um sich vor der Willkür der Mächtigen zu schützen. In der kainitischen Gesellschaft, die viel starrer und hierarchischer ist als die menschliche, erscheint es mehr als logisch, dass sich einige grobe Grundregeln, auf denen die Etikette basiert, als allgemeingültig durchgesetzt haben. Gerade wenn so viele verschiedene Personen aus unterschiedlichen Zeiten und Kulturen zusammentreffen, die in Konkurrenz zueinander stehen, ist es mehr als notwendig, einen „Common Sense“ zu finden, damit man sich nicht wegen dummen Missverständnissen gleich an die Gurgel geht. Man muss davon ausgehen, dass das, was in diesem Text steht, zur Allgemeinbildung gehört, die jeder Erzeuger seinem Kind hat zukommen lassen, um es für den Umgang mit anderen Kainiten zu wappnen. Hält man sich an diese Grundregeln, so kann man sich – auch in Anwesenheit von Ahnen - relativ sicher auf dem gesellschaftlichen Parkett bewegen. Obwohl es Absicht dieses Textes ist, bei allen Spielern größtmögliche Klarheit über Verhaltensregeln zu schaffen, muss leider vorausgeschickt werden, dass auch die sture Einhaltung der folgenden Muster keine absolute Garantie für das definitiv korrekte Betragen geben kann, denn im Endeffekt kann einem nur die sensible Einschätzung von Fall zu Fall vor Fehltritten bewahren. Die Fähigkeit zu solcher Einschätzung gewinnt man erst durch Erfahrung und gute Beobachtung. Deshalb sollte und darf ein ungeübter Neugeborener sich nicht scheuen, seinen Erzeuger, Mentor oder einen Zeremonienmeister zu fragen, wie er sich zu verhalten hat, wenn er unsicher ist. Auch ein versierter Ancilla, dem am korrekten Verhalten der anderen etwas liegt, dürfte für eine solche Auskunft keine Gefälligkeit zurückfordern. Im Zweifelsfall sollte man sich nach dem anwesenden Zeremonienmeister richten und seine Anweisungen befolgen. Abschließend sollte noch einmal deutlich erwähnt werden, dass dieser Entwurf keineswegs Anspruch auf Vollständigkeit erhebt.
 



Der Rang eines Kainiten setzt sich aus drei Faktoren zusammen: Alter, Amt und Ansehen. Hierbei gilt grundsätzlich: Alter vor Amt vor Ansehen, wobei jedoch ein besonders hohes oder schlechtes Ansehen beides überflügeln kann. Wenn man nichts über das Ansehen des Charakters weiß, dem man gegenübersteht, empfiehlt es sich, es außer Acht zu lassen, oder sich an seinen Ahnen und den Zeremonienmeister zu orientieren. Ausgenommen aus dieser Regel ist nur der Erz-Fürst, der in seiner eigenen Domäne immer den höchsten Rang innehat.
 



Die allgemeingültige Hierarchie setzt sich also zusammen aus dem altersbedingten Status. Bei gleichrangigen Kainiten verschiedenen Geschlechts sollte der Herr immer der Dame den Vorzug geben. Inwieweit der Herr der Dame über ihren Rang hinaus den Vorzug gibt, hängt von dessen Persönlichkeit und beider Ansehen ab. Außerdem hat bei Gleichrangigen ein Mitglied der gastgebenden Domäne den höheren Rang. Ghule, bekennende Anarchen, Caitiffs und Nicht-Camarilla-Clans haben offiziell keinen Status und demnach kein Anrecht auf Respektsbezeugungen, können allerdings durchaus ein Ansehen gewinnen, das ihnen Sonderrechte einräumt.



Ein Kind verneigt sich leicht vor einem Neugeborenen; verbeugt sich tief vor einem Ancilla;
kniet nieder vor einem Ahnen insbesondere vor dem Prinzen

Ein Neugeborener verneigt sich leicht vor einem Ancilla; verbeugt sich tief oder kniet vor einem Ahnen;
kniet nieder vor dem Prinzen

Ein Ancilla verneigt sich vor einem Ahnen; kniet nieder vor dem Prinzen

Ein Ahn verneigt sich leicht vor dem Prinzen

Überlasse dem Ranghöheren immer die Wahl über die Begrüßungsform. Das heißt: Verbeuge Dich zunächst standesgemäß. Wenn der Ranghöhere Dir dann die Hand reichen will, sei es zum Händedruck oder zum Handkuss, wird er es tun. Erspare Dir die Peinlichkeit, dass er sich weigert, Deine dargebotene Hand zu nehmen. Bei der Vorstellung der eigenen Person sollte man nacheinander erwähnen: Name, Status, Clan, evtl. politisches Amt und Domäne (die Reihenfolge ist nicht zwingend, sie empfiehlt sich nur aus Sprachfluss-Gründen: z.B. "Mein Name ist X, Ancilla des Clans Y, Mitglied der Domäne Z" Das sind die Grundinformationen, die jedem Kainiten zustehen, und die man von sich aus preisgeben sollte. Es ist nicht üblich, außerhalb des eigenen Clans mehr zu erwähnen. Man sollte sich langsam, laut und deutlich vorstellen, damit dem Gegenüber peinliches Nachfragen erspart bleibt, und damit keine unangenehmen Missverständnisse entstehen. Lass jemand anderes Dich vorstellen. Ein Neugeborener sollte sich einem Ahnen nicht selbst vorstellen, besser sollte man einen Ancilla finden können, der gewillt ist, dies zu tun: Es sollte eine Gefälligkeit wert sein. Auch für Ancilla und Ahnen ist es angeraten, sich eine "Empfehlung" einzuholen. Unterbrich kein Gespräch unter Ranghöheren, auch nicht, um Dich vorzustellen. Wenn Du einen Ranghöheren begrüßen oder sprechen willst, der sich in einem Gespräch befindet, nähere Dich der Gruppe sichtbar, bleibe außer Hörweite stehen und versuche, den Blick der Person aufzufangen, verbeuge Dich dabei leicht. Wenn die Person Dich ignoriert, wähle einen anderen Zeitpunkt, oder lass es. Vielleicht will sie Dich nicht begrüßen und Du erzwingst eine für Dich unangenehme Situation. Wenn man dem laufenden Gespräch beiwohnen möchte, sollte man nach der Vorstellung beim ranghöchsten Gesprächsteilnehmer höflich erfragen, ob dies gern gesehen ist.

Beim Handkuss hält die Dame ihre Hand mit dem Handrücken nach oben etwa auf Brusthöhe dem Herrn hin, wenn sie sitzt (und sitzen bleiben darf!), etwas höher. Hält sie die Hand niedriger und mit dem Handrücken zur Seite, heißt das wohl, dass sie keinen Handkuss erwartet. Man darf dann vorsichtig antesten, ob sie nur bescheiden ist, oder ob sie keinen wünscht, indem man ihre Hand leicht zu drehen versucht. Die Hand mit Gewalt zu verdrehen ist ausgeschlossen, ebenso, sie zu ergreifen und zu sich zu reißen. Der Herr sollte die Hand der Dame sanft mit der seinen stützen und ein wenig zu sich heben, gleichzeitig beugt er sich leicht zu ihr hinunter. Die Lippen berühren die Hand nicht, noch werden sie zum „Kussmund“ geschürzt. Normalerweise schaut man der Dame beim Handkuss nicht in die Augen, ganz bestimmt auch nicht ins Dekolleté! Am besten senkt man den Blick oder schließt die Augen. Hält man den Blick, gilt das als herausfordernd.



Die Vorsintflutlichen:
Wenn es diese alten Vampire überhaupt gibt, sind sie wahrscheinlich die mächtigsten Wesen der Welt. Als Angehörige der dritten Generation sind die Vorsintflutlichen nur zwei Schritte vom ersten Vampir, Kain, entfernt. Wenn Vorsintflutliche beschließen, sich aus ihrem langen Schlaf zu erheben, beeinflussen sie jeden, mit dem sie in Kontakt treten: den wenigen bruchstückhaften Berichten über ihre Taten zufolge verfügen sie über wahrhaft göttliche Macht.
Schenkt man den Legenden der Kainskinder Glauben, so gab es ursprünglich 13 Vorsintflutliche, auch wenn einige inzwischen angeblich vernichtet wurden. Ihr ewiger Kampf, der Dschihad, betrifft alle Kainskinder, und zahllose Schichten von Manipulation und Täuschung machen die Pläne dieser Alten fast undurchschaubar.

Die Methusalems:
Wenn die Vorsintflutlichen die Götter der Kainskinder sind, dann sind die schrecklichen Methusalems Halbgötter und Avatare. Irgendwann zwischen dem tausendsten und dem zweitausendsten Jahr eines Vampirs geht in dem Kainskind eine tiefgreifende Veränderung vor. Manchmal ist diese Veränderung körperlicher Natur, bei anderen emotionaler oder seelischer. Diese Vampire gehören der vierten oder fünften Generation an und sind oft Mitglieder der Inconnu. (Inconnu: ist der Begriff zur Beschreibung der Vampire, die sich von den Anderen ihrer Art abgesetzt haben. Es ist weniger eine Sekte als eine Einordnung. Die Inconnu sind alt, mächtig und haben somit wenig Bedürfnis und noch weniger Begehr nach der Gesellschaft ihrer Brüder. Sie neigen dazu, unter den Tieren in der Wildnis zu leben und in der Erde zu schlafen, wenn die Sonne am Himmel steht.)

Die Ahnen:
Ahnen sind Kainskinder, die seit Jahrhunderten existieren und üblicherweise zwischen der sechsten und achten Generation rangieren. Mit ihrer in Jahrhunderten angeeigneten Schläue und ihrer schrecklichen Machtgier sind die Ahnen der Kainskinder die körperlich aktivsten Beteiligten am Dschihad – sie leiden nicht unter den langen Starreanfällen, die die Methusalems und die Vorsintflutlichen behindern, sind aber auch nicht so machtlos und leicht zu manipulieren wie die jüngeren Kainskinder.
Der Begriff "Ahn" selbst ist ein wenig subjektiv; ein Kainskind, das in der Neuen Welt als Ahn gilt, könnte in Europa oder noch älteren Winkel der Welt nur ein Ancilla unter vielen sein. Ahnen halten das Machtgefüge der Kainskinder in ihrem Würgegriff und verhindern, dass jüngere Vampire einflussreiche Positionen erringen, indem sie die Kontrolle ausüben, die sie seit Dekaden oder gar seit Jahrhunderten innehaben.

Die Ancilla:
Ancilla sind vergleichsweise junge Vampire (sie haben zwischen hundert und zweihundert Jahre auf dem Buckel), die sich als wertvolle Mitglieder der Kainskindergesellschaft erwiesen haben. Ancilla sind die Lakaien mächtigerer Kainskinder und – wenn sie clever sind oder Glück haben – die Ahnen von morgen. Ancilla ist der Rang zwischen Neugeborenem und Ahn, was bedeutet, dass das Kainskind sich (sozusagen) die Hörner abgestoßen hat, aber nicht alt und erfahren genug ist, um ein wahrer Meister des Dschihad zu werden. Weil die Weltbevölkerung in den letzten Jahrhunderten so angewachsen ist, besteht die überwiegende Mehrheit der Vampire aus Ancilla oder Neugeborenen.

Die Neugeborenen:
Neugeborene reichen von frisch losgesprochenen Küken bis hin zu indolenten Kainskindern, die hundert oder mehr Jahre alt sind. Neugeboren tragen das Stigma, sich den Ahnen noch nicht bewiesen zu haben, und sind unerfahrene Vampire, die eines Nachts etwas aus sich machen mögen – aber wohl eher als Marionetten in die Pläne anderer Untoter fallen werden.

Die Küken/Childs:
Küken sind auch unter dem etwas weniger förmlichen Begriff "Kinder" bekannt (auch wenn außer Kain jeder Vampir jemandes Kind ist) und sind frisch geschaffene Vampire, die noch unter der Anleitung und dem Schutz ihrer Erzeuger stehen, der Vampire, die sie schufen. Küken werden nicht als Vollmitglieder der Kainskindergesellschaft betrachtet und oft respektlos oder als Eigentum ihrer Erzeuger behandelt. Wenn der Erzeuger des Kükens befindet, sein Kind sei soweit, kann es mit Zustimmung des Prinzen zum Neugeborenen werden.



Die Traditionen sind Gesetze der Kainskinder der Camarilla. Die Gesetze sind absolut.
Jede Verletzung wird mit schneller, strenger Bestrafung geahndet.

Die Maskerade
Du sollst dein wahres Wesen niemandem enthüllen, der nicht vom Geblüt ist.
Wer solches tut verwirkt seine Blutrechte.

Die Domäne
Deine Domäne ist dein eigener Belang.
Alle anderen schulden dir Respekt, solange sie sich darin aufhalten.
Niemand darf sich gegen dein Wort auflehnen, solange er in deiner Domäne weilt.

Die Nachkommenschaft
Du sollst nur mit Erlaubnis deines Ahnen andere zeugen.
Zeugst du andere ohne Einwilligung deines Ahnen,
sollen sowohl du als auch deine Nachkommen erschlagen werden.

Die Rechenschaft
Wen du erschaffst, der ist dein eigenes Kind.
Bis der Nachkomme auf sich selbst gestellt ist, sollst du ihm alles befehlen.
Du trägst seine Sünden.

Die Gastfreundschaft
Ehre die Domänen anderer.
Wenn du in eine fremde Stadt kommst, so sollst du dich dem vorstellen, der dort herrscht.
Ohne das Wort der Aufnahme bist du nichts.

Die Vernichtung
Es ist dir verboten, andere von deiner Art zu vernichten.
Das Recht zur Vernichtung liegt ausschließlich bei deinen Ahnen.
Nur die Ahnen unter euch sollen die Blutjagd ausrufen.



Das Elysium
Ein Elysium ist eine Ort des Friedens und der gegenseitigen Achtung. Kein Kampf ist dort erlaubt, weder mit dem Körper noch mit den Waffen, noch mit den Fähigkeiten, welche den Kindern Kains vorbehalten sind; allein das gesprochenes Wort, und auch dieses nur mit Bedacht, soll als Mittel der Auseinandersetzung gedacht sein. Der Bruch des Elysiums ist ein schwerwiegender Bruch der Gesetze der Kinder Kains, welche diese zu ihrem eigenen Schutze aufgestellt haben. Der Frieden dort ist heilig.

Im Folgenden finden sich die Titel in der Hierachie der Camarilla, da in einigen Domänen auch andere Begriffe verwenden werden sind diese in Klammern ebenfalls aufgeführt.

Der Prinz (Der Fürst)
Der Prinz ist die Stimme der Camarilla in der Stadt, die er regiert. Er ist das Gericht, die Geschworenen und der Scharfrichter.

Der Rat der Erstgeborenen - Der Primogenrat (Das geheime Consilium der Praetoren)
Der Primogenrat ist die Versammlung von Ahnen einer bestimmten Stadt und fungiert bis zur heutigen Nacht als Führer der Clans. Daher sind die Primogene entweder die größten Verbündeten oder die schlimmsten Feinde eines Prinzen.

Der Seneschall (Der Kanzler)
Der Seneschall wird zum persönlichen Assistenten des Prinzen gewählt. Er ist derjenige, der weiß, was in einem bestimmten Augenblick vor sich geht, und derjenige, mit dem man wirklich verhandeln muss, wenn man will, dass etwas erledigt wird.

Die Harpyie (Der Zeremonienmeister)
Die Harpyie ist für den Ablauf aller anstehenden Festivitäten und das Protokoll zuständig.

Der Hüter des Elysiums (Der Obersthofmeister)
Der Hüter wird vom Prinzen eingesetzt und hat die Einhaltung des Elysiums zu überwachen.

Der Sheriff (Der Proctor)
Er ist der Vollstrecker des Prinzen. Er zerrt Missetäter vor Gericht, um die Ordnung auf den Straßen aufrechtzuerhalten.

Die Geißel (Der Kommissar)
Sie säubern die Grenzlande der größeren Metropolen von Vampiren, die ohne Genehmigung geschaffen wurden von jenen dünnblütigen Vampiren der 14. und 15. Generation. Manche Prinzen gewähren den Geißeln das Recht zur Vernichtung, um den Säuberungsprozess zu beschleunigen.

Justicar
Die Richter, Hände und gelegendlich auch Fäuste der Camarilla

Archonten
Sie sind die Lakaien der Justicare. Sie sind eingesetzt, um in ihrem Namen zu handeln, wie auch immer es ihren Absichten und Bedürfnissen entspricht.